Julia Domna

Darstellung einer ägyptischen Göttin auf Münzen der Severer



IVLIA AVGVSTA   -  SAECVLI FELICITAS

Isis säugt Horus
Prägejahr zwischen 196-211 n. Chr.  R.I.C. 577
 

Der Denar der Julia Domna, Gemahlin des Septimius Severus, zeigt die Rückseite der ägyptischen Göttin Isis, die ihr Kind Horus in den Armen hält und stillt. Der linke Fuß ist auf einen Schiffsbug gestellt, rechts neben der Göttin ein Steuerruder, ein Symbol der Steuerung des Schicksals, an einen Altar gelehnt, die Rückseitenlegende verspricht glückliche Zeiten
Die Darstellung der Isis auf dieser Münze bezieht sich auf den im römischen Reich weit verbreiteten Isiskult, der schon im Jahre 100 vor Christus noch vor der Eroberung Ägyptens durch Augustus, gepflegt wurde und demonstriert den Anspruch der Severer auf Gleichsetzung mit den Göttern - Julia Domna als Lebensspenderin und Gründerin der severischen Dynastie.
 Septimius Severus hat, wie seine Vorgänger Augustus und Hadrian das Land am Nil bereist. Zusammen mit seiner Frau Julia Domna  - im Gefolge den Hofstaat - führte sie die Reise nilaufwärts bis nach Theben in das damalige religiöse Zentrum, dort sah Septimius unter anderem auch die Memnonkolosse, die er hat restaurieren lassen. Danach verstummte der "morgentliche Gesang" des Memnons.




Ägyptische Fayencefigur 
Isis stillt ihr Kind Horus (Spätzeit)
 
 


Ägyptisches Bronzeamulett der Isis
gekrönt mit den Hörnern und
der Sonnenscheibe der Hathor
Spätzeit
 
 

Relief der Isis gekrönt mit den Hörnern
und der Sonnenscheibe der Hathor hält
in der rechten Hand ein Sistrum


Isiskult - Wandmalerei aus Herkulaneum
Legende von Isis und Osiris

Der Kult der Isis ist verbunden mit dem Glauben und der Hoffnung auf ein ewiges Leben, verständlich, daß die Römer, die für die Götter anderer Kulturen offen waren, den Isiskult übernommen hatten und der Isis eigene Tempel weihten.

Der Legende nach herrschten einst Osiris und seine Schwester und Gemahlin Isis über das Land am Nil, Osiris wurde von seinem eifersüchtigen Bruder Seth mit Hilfe einer List getötet. Er forderte Osiris auf sich in einen Sarg zu legen, der von besonderer Schönheit war. Seth schloß rasch den Sarg und warf ihn in den Nil und Osiris ertrank - Osiris das Symbol des Todes.
Isis jedoch fand seinen Leichnam, verlor ihn jedoch wieder an ihren Bruder Seth, der den Körper des Toten in viele Stücke zerriß und über das Land verteilte. Isis suchte in ganz Ägypten die Teile des Leichnams und fand den Kopf in Abydos, das Herz in Athribis.
Anubis, der Gott der Balsamierung, half Isis den Körper des Osiris zusammenzufügen.
Mit göttlichen Kräften erweckte Isis ihren toten Gemahl wieder zum Leben und zeugte mit ihm einen Sohn - Horus.

Horus fortan das Symbol des neuen Lebens, der Vater Osiris als Symbol der Auferstehung und Erlösung vom Tode und Hoffnung auf das ewige Leben.

Darstellungen der Isis Ägyptens

Darstellungen der Isis sind in vielen Formen bekannt, auf die Einzelheiten soll hier nicht näher eingegangen werden. Die Abbildung links zeigt eine Fayence der sitzenden Isis den Sohn Horus im Arm haltend. Die Münze der Julia Domna aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christus übernimmt auf der Rückseitendarstellung das Motiv der stillenden Mutter Isis. Die römische Adaptation geht etwas weiter und zeigt sie nicht nur als Göttin die den Sohn des zum Leben erweckten toten Vaters stillt, sondern auch das Symbol des Steuerruders, das auch als Attribut der Glücksgöttin Fortuna gilt. Damit wird Isis auch zur Göttin des Glücks.

Isis, das Haupt gekrönt mit Hörnern und der Sonnenscheibe, beides Attribute der Göttin Hathor, zeigt ein Bronzeamulet. Beide Artefakte stammen aus der Spätzeit (745 bis 335 v.Chr.).

Auf einem Relief aus dem Tempel von König Sethos I.  (Neues Reich 1290 -1279/78 v. Chr.) in Abydos finden wir Isis mit einem Sistrum in der rechten Hand, das Haupt ebenfalls gekrönt mit den Hörnern und der Sonnenscheibe der Hathor.
 

Isiskult und ägyptische Einflüsse im römischen Reich

Der Einfluß Ägyptens auf die Kultur und den Götterglaube der Römer ist schon früh ca.100 vor Christus nachweisbar. Mit der Eroberung Ägyptens und Einverleibung des riesiges Landes als Provinz AEGYPTVS im Jahre 30 v. Chr. durch Augustus beginnt auch eine Übernahme des äpyptischen Baustiles und der Inneneinrichtung der Wohnhäuser. Dieses findet sich in Mosaiken und Wandmalereien, die Pflanzen und Tiere des Niltales wiedergeben. Eine ägyptisierende Strömung in der Mode und den darstellenden Künsten wird an vielen Beispielen sichtbar.
Wegen der außergewöhnlichen Umstände der Konservierung über fast 2000 Jahre lassen sich in den einmaligen Ausgrabungsstätten Pompeji und Herkulaneum eindrucksvolle Beispiele für die Präsenz Ägyptens im römischen Alltag finden.
Im Haus mit dem Menander in Pompeji ist im grünen Saal ein Bodenmosaik mit einer Szene am Nil dargestellt, im Haus des Fauns ist ein Mosaik mit Flußpferden und anderen Tieren des Nilsdeltas erhalten geblieben.

Eine Statue des Antinoos, der Freund (Geliebter ?) Kaiser Hadrians, die für seinen Landsitz geschaffen wurde zeigt Antinoos als Pharao. Antinoos ertrank im Jahre 130 n.Chr. im Nil, Hadrian gründete zum Andeken an ihn die Stadt Antinopolis.

Wie weit der Isiskult im römischen Reich verbreitet war zeigen Funde in Frankreich, in der Provinz Gallien sind in Nimes, Arles, St. Remy, Carpentras und Marseille sind Artefakte, Gräber und Tempelanlagen gefunden worden, die den Isiskult bestätigen. Eine Form der römischen Adaptation des Kultes aus der Region um Marseille ist die Anbetung der Isis als Schutzheilige der Seefahrer. In St. Remy, dem römischen Glanum, wurde ein Sistrum als Hinweis auf praktizierten Isiskult gefunden. Neben dem bekannten Grab eines Isis-Priesters in Pompeji gibt es ein weiteres in Nimes.

Eine Vorstellung, wie das Ritual der Isisanbetung abgelaufen sein könnte bekommen wir durch eine erhaltene Wandmalerei aus einem Haus in Herkulaneum. Gezeigt wird eine Szene der Anbetung des heiligen Nilwassers, das im Tempel aufbewahrt wurde. Zu besichtigen ist diese wünderschön erhaltene Malerei im Nationalmuseum in Neapel (wohnen sollten Sie, wenn Sie eine Besichtigung planen jedoch in Sorrent und mit der Vorortbahn oder besser noch mit der Fähre nach Neapel fahren).
 

Fundbeispiele für den Isiskult in Pompeji

Die hohe Bedeutung der Isis wird auch durch den Standort ihres Tempel in Pompeji nahe dem Forum ausgedrückt.In einem Seitenraum fand man bei den Ausgrabungen den marmornen Kopf eines Akrolithen, der sehr wahrscheinlich die Isis darstellt, sowie ein Sistrum, eine Art Rassel aus Metall, (Abbildung siehe unten) und weitere zu Kulthandlungen gehörige Gegenstände.
Die einzige, erstaunlich gut erhaltene Marmorstatue der Isis in Pompeji lag auch im Schutt des Tempels, sie zeigt Isis bekleidet mit einem hauchdünnen Chiton barfüssig, in der linken Hand das Ankh-Zeichen, Symbol des ewigen Lebens und in der erhobenen rechten Hand ein Sistrum, das leider verloren gegangen ist.Alle Fundstücke sind im Nationalmuseum in Neapel in einem eigenen Trakt untergebracht.

Bei den Ausgrabungsarbeiten, die 1764 begannen, fand man die Leichname der Priester, die noch versucht hatten Kultgegenstände zu retten mit den Tempelschätzen in den Händen erstickt im Lavaschutt liegen.
 


 

Römischer Mormorkopf der Isis
Teil eines Akrolithen
Fundort Pompeji
 
 
 
 
 

 


  Marmorstatue der Isis
in der linken Hand das Ankhzeichen
in der rechten das Sistrum
(leider verloren gegangen)
Fundort Pompeji

Sistrum
Symbol der Göttin Isis
 Fundort Pompeji


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