Erstellen und Bearbeiten
von Münzbildern
Scannen oder photographieren
?
Wohl fast jeder Computerbesitzer hat einen Scanner, daher
hat sich die Technik des Direktscannens von Münzen auch für die
Erstellung von Webseiten schnell verbreitet. Hier sollen kleine Hilfestellungen
zum Optimieren der Bilder gegeben werden. Die Grenzen dieser Methode sind
abhängig von der Qualität des Gerätes und dem Aufwand, den
man treibt, mehr oder weniger schnell erreicht.
Auf der Suche nach einer preiswerten Möglichkeit bessere Aufnahmen
zu machen (ohne gleich ein auf dem Markt verfügbares digitales Aufnahmesystem
für mehrere tausend DM zu erwerben) habe ich meine alte Spiegelreflexkamera
reaktiviert und mit preiswerten Zwischenringen, dem 50 mm Standardobjektiv
und einem Stativ die ersten Testaufnahmen gemacht. Die Erfahrungen
(für gelernte Photographen und andere Profi's auf diesem Gebiet nichts
Neues) fließen hier mit ein.
Scannen der Münze
Leuchtstärke und Einfallswinkel des Lichtes sind bei Scannern nicht
zu variieren, daher werden wegen des relativ steilen Lichteinfallswinkels
Münzen mit sehr dunkler und rauher Oberfläche deutlich schlechter
abgebildet als zum Beispiel Silbermünzen mit guter Tönung oder
besser noch matt-dunkler Patina. Hier ist der Anteil der direkt reflektierten
Lichtanteiles relativ gering gegenüber den glänzenden, gereinigten
Münzen, die fast immer zu hohe Kontraste und einen geringen Graustufenumfang
aufweisen. Eine gut getönte Silbermünze wird von dem von mir verwendeten
Scanner (bis 1200 DPI) der Preisklasse 140.- DM ( Stand 1999 ) als relativ
dunkles Rohbild geliefert.Verschiedene Manipulationen an der Softwareeinstellung
führen bedauerlicherweise zu Farbverschiebungen, die die Nachbearbeitung
umständlicher machen.
Unten sehen Sie als erstes Bild das direkte Scanergebnis ohne Bildbearbeitung
als JPEG-File ohne zusätzliche Kompression gespeichert.
Als Scandaten waren an der Software eingestellt: Auflösung 300 DPI
, Skalierung 100%, dies ergab ein Rohdatensatz von 450 KB, gespeichert im
JPEG-Format sind 33 KB.
Unbearbeitetes Bild aus dem Scanner
ohne zusätzliche Kompression (33 KB)
Nachfolgend sehen Sie eine Bildserie mit unterschiedlich großem
Auflösungsverlust in Abhängigkeit von der Kompressionsrate. Die
von mir verwendete Software erlaubt die Einstellung der Kompression in mittels
Prozentangabe, wenig Qualitätsverlust = niedrige Prozentzahl. Andere
Programme fragen nach einem Faktor, der verwendet werden kann. Die Bilder
sind per Software gering in der Helligkeit und im Kontrast bearbeitet, um
dem Original näher zu kommen.
Bildgröße: 26 KB=10%
20 KB=20% 17 KB=30%
10 KB=50%
Die immer etwas leicht weichen Bilder aus dem Scanner können
per Software mit der Schärfefunktion etwas gepuscht werden. Nach meiner
Meinung verliert das Bild dabei in den Feldern der Münze an Auflösung
und wird zu körnig, sodaß das Metall porös erscheint. Die
Konturen des Profiles und die Legende erscheinen schärfer.
gleiche Kompressionsrate, rechtes Bild "geschärft"
Die Wahl der Hintergrundfarbe zeigte sich etwas problematisch,
da sehr dunkle Münzen mit dem vorteilhaften schwarzen Hintergrund fast
nicht zu scannen sind, während die Silbermünzen extrem gut abgebildet
werden. Versuche mit weißem Papier als Hintergrund haben sich für
alle dunklen und dunkelgrünen Münzen als deutlich besser erwiesen.
Die Lösung ist simpel, man legt mattes weißes bzw. schwarzes Papier
beim scannen auf die Münze. Die vier verschiedenen Möglichkeiten
den Lichteinfall auf die Münze zu richten zeigt das Bild unten, für
mein Empfinden ist die Darstellung des Portraits mit Lichtquelle von oben
am vorteilhaftesten. Die vier Scans sind zusammengefügt und dann einheitlich
nachbearbeitet worden ( heller und mehr Kontrast ). Interessanterweise kommt
es je nach Lichteinfall zu unterschiedlichen Farbdarstelluungen, die jedoch
über die Software zu korrigieren sind.
Vier unterschiedliche Orientierungen der Lichtquelle,
gleiche Parameter bei der Aufnahme und Nachbearbeitung
Hier sehen Sie das Beispiel einer gut getönten Silbermünze
mit extrem hohen Relief, die sich mit dem Scanner und schwarzem Hintergrund
sehr gut abbilden läßt, darunter eine glänzende Münze
ohne wesentliche Patina mit reichlich Reflexen und entsprechend schlechterer
Abbildung.
Denar Severus Alexander mit dunkler Tönung
Denar Severus Alexander mit silbrig glänzender
Oberfläche
Photographieren und dann die Filme scannen ?
Hier folgen Beispiele schlecht zu scannender Bronzemünzen mit abgeflachtem
Relief und rauher Oberfäche, die zudem von geringer Erhaltung sind,
im direkten Vergleich daneben der Versuch mittels Ausleuchten und freier
Wahl der Lichtquellenposition photografisch etwas mehr herauzuholen. Die
Arbeiten sind bewußt mit minimalen Aufwand durchgeführt worden.
Sie benötigen neben der Kamera mit Zwischenringen oder besser Makroobjektiv,
ein kleines Stativ, einen Tisch mit Tageslicht oder einer (besser zwei) schwenkbaren
Schreibtischlampe mit Tageslichtglühbirne, schwarze und weiße
Pappen für den Hintergrund und ein Distanzstück auf das die Münze
gelegt wird (Labello, Lippenstift, oder den eye-liner ihrer Frau oder ihren
eigenen).
Der Aufbau ist simpel: Sie legen die Pappe als Hintergrund auf den Tisch,
stellen den Labello senkrecht darauf, obendrauf die Münze, die ausgeleuchtet
wird (dabei die Hintergrundpappe nicht mit anstrahlen!) und
nehmen die Kamera mit Stativ und besser auch einen Drahtauslöser und
fangen an. Die Erfahrung steckt in der Ausleuchtung, der Anordnung der Lampen
und der Wahl der Glühbirne (z.B. Flora-Pflanzenleuchte), mein ersten
Erfahrungen habe ich mit indirektem und direktem Sonnenlicht als einzige
Lichtquelle gemacht.
Caracalla Bronze aus Heliopolis
Links das gescannte Bild, rechts das Ergebnis aus
Photographie und Scannen
Julia Domna Bronze aus Thessaloniki / Mazedonien
Links das gescannte Bild, rechts das Ergebnis aus
Photographie und Scannen
Wer es professioneller anlegen will und sogar schon eine digitale
Kamera mit Makrofunktion hat, kommt natürlich schneller und mit noch
besserer Bildqualität zum Ziel. Die Nachteile der hier vorgestellten
Methode sind bei vielen Aufnahmen auf Dauer die Film und Entwicklungskosten
sowie die Wartezeit auf das Filmergebnis. Notwendige Korrekturen der Aufnahmeparameter
sind somit zeitaufwendig und wenig praktikabel.
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