Fälschungen antiker Münzen
 
 Einige ihrer Merkmale betrachtet an Beispielen unterschiedlicher Qualität
 
Münzfälschungen hat es zu allen Zeiten gegeben, antike Fälschungen unterschiedlichster Machart mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen, die auch äußerst erfahrene Fachleute täuschen können, sind bekannt. Hier soll versucht werden für den Sammler und Einsteiger in das Interessengebiet der antiken Münzen eine kurze Erläuterung der Merkmale solcher Fälschungen zu geben. 

Neben vielen Charakteristika wie Gewicht, Metallurgie usw. gibt es auch solche, die mit dem bloßen Auge, besser noch mit einer Lupe erkannt werden können, wenn sie denn dem Sammler bewußt sind und er darauf achtet. 

Neben den guten Fälschungen, die zum Teil unter Einsatz bester technischer Ausrüstungen (Abgußtechniken aus der Zahnprothetik usw.) und ausgefeilten Alterungsmethoden enstehen, gibt es die plumpen, sogenannten Touristenfälschungen, die den Urlaubern rund um das Mittelmeer angeboten werden. Sie werden manchmal offen als Kopien angeboten, manchmal wird der Interessent in ein Hinterzimmer gebeten und die antike Rarität wird zu einem hohen Preis offeriert. 
Die hier gezeigten Beispiele sind schlecht gemachte Fälschungen in Gußtechnik häufig vorkommender Münzen . 
Sie sind besonders gute Lehrstücke, da an ihnen das Auge für die wesentlichen Merkmale geschult werden kann. 

Unser erstes Beispiel ist die Kopie eines während des Umlaufs verschlissenen Denar des Trajan mit Darstellung der Fortuna auf der Rückseite, Avers und Revers sind Abgüsse einer Originalmünze mit deren Hilfe im Gußverfahren die Kopie erstellt wird. Dabei entstehen typische Ränder, die unterschiedlich vollständig oder geschickt abgefeilt werden. Die Konturen des Portraits und der Buchstaben sind auffallend weich und unscharf; selbst dort, wo in den tiefer liegenden Bereichen kein Abrieb sein kann. Hier in unserem Beispiel ist es die Region des Kinn und des Halses. Ein weiteres Zeichen sind die Blasen , die sich in dem flüssig verarbeiteten Metall bilden, die nach dem Erkalten als kleine Erhebungen oder Löcher zu erkennen sind. Manchmal ist die Oberfläche auch nur ungewöhnlich rauh und wirkt porös. Die Rückseite des Trajan hier im Beispiel ist besonders heftig betroffen. 
 
 

 
Als Vergleich unten ein Original mit vergleichbarem Abrieb.
 
 
 
Das völlige Fehlen glatter Flächen in den Feldern, wie sie beim Schlagen einer echten antiken Münze entstanden, ist ebenfalls suspekt. 
Oft sieht man bei den echten antiken Münzen in den Feldern zwischen Portrait und Legende radiär angeordnete ganz zarte Erhebungen und Rillen, die je nach Verarbeitungstemperatur des Schrötlings unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Sie entstehen beim Schlagen der Münze und dem Auseinanderweichen des Metalls. 
Hier unten ein Beispiel eines Denar des Antoninus Pius, das diese Strukturen besonders deutlich zeigt. 
 
 
 
 

Hier eine besonders dreiste Fälschung, die Vorlage war ein Denar des Severus Alexander mit der Inschrift IMP ALEXANDER PIVS AVG. Die Rückseite zeigt den Gott Sol schreitend nach links, die Legende ist PM TR P XIII COS III PP , damit datiert die Vorlage aus dem Jahr 234 n.Chr. Das "Objekt" stammt aus Tunesien und wurde mir vor vielen Jahren als Original angeboten, der gefordete Preis betrug damals 5 Dinare ( ca 25 DM) , der Endpreis lag dann bei 5.-DM. Die "Münze" war fast vollständig mit Schmutz und einer erstaunlich gut gemachten Pseudopatina überzogen und ich habe bis zum Zeitpunkt der Reinigung noch gehofft, es könnte sich um ein Original handeln. Das Metall dürfte Messing sein, die Herstellungstechnik das Gußverfahren. In Höhe der Lippen ist ein Loch vorhanden, die Konturen sind ungewöhnlich glatt und verschwommen und die Ränder sind vollständig zum Teil mit einer sehr groben Feile geglättet worden.
 
 

Unten sehen Sie einen echten Denar des Severus Alexander der ca. aus dem Jahr 231 n. Chr. stammt  (T RP X  -  Bestimmungshilfe finden Sie auf der Severus Alexander Seite), im Vergleich werden die Merkmale der Fälschung überdeutlich. 
 
 

 


Für diese ebenfalls plumpe Fälschung kann ich Ihnen noch nicht einmal ein Foto einer möglichen Vorlage zeigen. Der Grund ist - es gibt kein Original. Dar Portrait des Trajan ist frei gestaltet, die Legende TRANO ist unbekannt - es fehlt das I . Die Rückseite ist einer griechischen Münze als Motiv "entnommen". Das Kunstprodukt sollte wohl ein As oder eine Sesterz werden.
Die Ränder sprechen für sich... 
 

 

Als Anregung für die Gestaltung der Rückseite seiner Arbeit mag dem Künstler die unten abgebildete Münze gedient haben, das Foto entstammt einem Werbeprospekt.
 

 

Als letztes Beispiel die Kopie einer griechischen Tetradrachme aus dem 4. oder 5. Jahrhundert vor Chr., leider sind meine Kenntnisse in diesem Gebiet äußerst dürftig und so bleibt nur die Demonstration des Objektes, das jedoch alle Zeichen einer Gußfälschung aufweist. 
 
 

 
 
 
  Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.
Fragen und Kommentare sind erwünscht.
Rudolf Appel
   r_appel@t-online.de

 
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